Tag der Entscheidung

Kennt ihr das Gefühl, wenn ein Vorhaben durch Umstände, die man nicht beeinflussen kann, scheitert, man aber alles probiert hat, ein Scheitern zu verhindern? Man versucht, die Situation rational zu werten, sie nicht als Scheitern zu beurteilen, da man seine Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Und trotzdem bleibt da dieser fahle Nachgeschmack der Enttäuschung, so sehr man sich auch versucht einzureden, dass einen keine Schuld trifft.

So etwas kommt immer vor, im Beruf und im Privatleben.

Mein Freund und ich stehen aktuell vor einem solchen gescheiterten Vorhaben. Wenn ich euch gleich erzähle, worum es geht, werden bestimmt einige denken: “Oh mein Gott, was macht die denn für ein Drama aus dieser Lappalie!” Aber es geht wirklich um eine Herzensangelegenheit und ich bin sehr traurig, dass sie nicht funktioniert hat.

Vor fast genau einem Jahr haben wir uns entschieden, dass wir wieder tierischen Zuwachs wollen, nachdem unsere Katze ein halbes Jahr zuvor verschwunden war (und mit verschwunden meine ich wirklich wie vom Erdboden verschluckt).
Wir wollten auf jeden Fall Katzen aus dem Tierheim oder von der Katzenhilfe, da dort die Not am größten ist. Außerdem wollten wir gerne zwei Katzen, einen Kater und eine Katze, und sie sollten Freigänger sein bzw. zu Freigängern gemacht werden können (wenn man das so sagen kann).
Nach einigem Suchen sind wir in einem Tierheim in der Nähe fündig geworden, die zwei Katzen abzugeben hatten, Kater und Katze, welche sie auch nur gemeinsam weitergeben wollten, da sie sich scheinbar so gut verstehen.

Bild aus der Tierheimanzeige: Links der Kater, rechts die Katze

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Beim Kater hatte man uns vorgewarnt, dass er sehr sehr scheu sei und sich kaum anfassen lässt. Die Katze sei aber das komplette Gegenteil, also zutraulich und verschmust, und hätte durch ihre etwas vorlaute Art den Kater auch ein bisschen aus der Reserve locken können, seit sie zusammen sind. Wir haben uns gedacht, dass sich das doch ganz gut anhört. Der scheue Kater hat uns nicht weiter abgeschreckt, da wir wussten, dass sich sowas auch noch ändern kann, wenn ein Tier mal in einem Zuhause ist, wo es sich wohlfühlt. Also haben wir den beiden ein neues Zuhause geschenkt und waren froh, dass wir wieder tierische Mitbewohner hatten.

In den ersten Wochen waren die Katzen in der Wohnung und durften nicht raus. Das ist das normale Vorgehen, wenn man Katzen an ein neues Wohnungsumfeld gewöhnt. In dieser Zeit ist uns schon aufgefallen, dass die beiden sehr aktiv sind und ihnen die Welt auf der anderen Seite des Fensters nicht unbekannt ist. Wir haben ihnen den Namen Sookie und Jackson gegeben (in Anlehnung an eine meiner Lieblingsserien). Jackson war wirklich sehr scheu, hat aber nach und nach Fortschritte gemacht. Man hat bei ihm gemerkt, dass er wirklich ein Streuner gewesen sein muss, bevor er ins Tierheim kam, da die ganz normalen Haushaltsgeräusche für ihn völlig neu und beängstigend waren. Das hat sich aber nach und nach gelegt.

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Wir waren dann froh, als die Zeit der Eingewöhnung vorbei war, und wir die beiden rauslassen konnten. Zu anfangs war auch alles super: Die beiden hatten sich an die Katzenklappe und die Katzenleiter, die von unserem Balkon im Hochparterre in den Garten hinterm Haus führt, gewöhnt, hatten in der Wohnung ihre Plätze gefunden und haben sich weiterhin gut vertragen. Irgendwann ist uns aber aufgefallen, dass Sookie seltener nach Hause kommt, teilweise auch nicht zu den üblichen Essenszeiten zurückgekommen ist. Der Kater war im Vergleich dazu viel häufiger da. Wir haben uns zunächst nicht viel dabei gedacht und es eher auf ihren Freiheitsdrang geschoben. Dass etwas nicht in Ordnung ist, ist uns erst bewusst geworden, als wir bemerkt haben, dass Sookie Jackson völlig grundlos angeknurrt und gefaucht hat, wenn die beiden sich über den Weg gelaufen sind. Das Ganze hat sich dann so zugespitzt, dass sie regelrecht auf ihn losgegangen ist, sobald sich ihre Wege kreuzten, und sie häufig nur für fünf Minuten zuhause geblieben ist, wenn er auch da war.

Wir waren ehrlich gesagt ziemlich ratlos, da wir gar nicht einschätzen konnten, was der Auslöser ihres Verhaltens ist: Ist sie einfach nur genervt von ihm, liegt es an einem Verhalten seinerseits, das sie provoziert etc. Zwischen”katz”liche Beziehungen können eben auch komplex sein. Wir hatten zwischenzeitlich einiges probiert, aber nichts hat das Verhältnis entspannt.
Mit dem nahenden Winter und kalten Witterungen, haben wir uns gezwungen gesehen, uns professionelle Hilfe zu holen. Auch wenn Katzen rein theoretisch natürlich draußen im Winter überleben können, so hat man für dieses Tier ja eine Verantwortung übernommen und möchte, dass es bei Kälte nach Hause kommen kann und auch genug zu fressen bekommt. Wir haben eine Tiertherapeuten um Rat gebeten, die uns bei einem Besuch bei uns Zuhause einige Tipps gegeben und mögliche Ursachen erläutert hat. Sie hat uns aber gleich vorgewarnt, dass es keine Erfolgsgarantie gibt, nicht mal, dass die beiden sich zumindest in Zukunft akzeptieren werden und ein weiteres Zusammenleben möglich ist.

Die beiden Rabauken hatten jetzt über 4 Monate “Hausarrest”, mit dem Ziel, wenn der Umgang zwischen beiden sich wieder entspannt, sie wieder in die Freiheit zu lassen. Es gab viele Hochs und Tiefs in dieser Zeit, aber letzten Endes waren wir der Meinung, dass sie bereit sind für den großen Tag – nachdem sie den Besuch beim Tierarzt überstanden hatten (Auffrischen von wichtigen Impfungen). Letzen Donnerstag war es dann soweit: Die Balkontür ging auf und blieb offen für die beiden. Die Katzenklappe wurde auch wieder geöffnet. Es hat nicht lange gedauert, bis beide ihren Weg nach draußen gefunden hatten. Wir waren froh und erleichtert, aber auch skeptisch, da wir nicht wussten, wie sich das dann in nächster Zeit entwickelt. Unsere Skepsis wurde leider viel früher bestätigt, als uns lieb war. Es verging keine Stunde, nachdem wir beide rausgelassen hatten, sie wieder zurückkamen und in der Wohnung aufeinandertrafen: Knurren, Fauchen, Brummen. Alles wieder auf Anfang. Balkontür und Katzenklappe gingen erst mal wieder zu. Das ist echt total deprimierend! Wir haben so gehofft, dass es jetzt klappen würde. Aber es soll wohl nicht sein. Trauriges Smiley

Übers Wochenende haben wir viel hin- und herüberlegt. Natürlich wollen wir beide behalten, da wir sie ins Herz geschlossen haben. Die Konsequenz wäre aber, dass sie Wohnungskatzen werden müssten, was unserer Auffassung von einer katzengerechten Haltung widerspricht. Außerdem ändert sich dadurch ja auch nichts an der Tatsache, dass Sookie, warum auch immer, den Kater nicht leider kann und das Verhältnis zwischen beiden immer angespannt bleiben wird. Die logische Konsequenz ist also, dass wir einen von beiden abgeben, damit es beide besser haben (auch wenn es uns dabei echt schlecht geht). Gott sei Dank haben sich die Eltern meines Freundes bereit erklärt, einen der beiden bei sich aufzunehmen! Sie haben schon seit einigen Jahren keine eigene Katze mehr gehabt, sind aber auch Katzenliebhaber und wohnen in der Nähe. Sie haben sich für den Kater entschieden, was für mich völlig in Ordnung ist (ich hätte mich nicht entscheiden können). Der “Umzug” wird in knapp 3 Wochen stattfinden. Bis dahin genieße ich die Zeit, die ich noch mit Jackson habe. Natürlich ist er nicht aus der Welt, aber es wird schon eine Umstellung sein.

Ich hoffe aber, dass es beiden Katzen danach richtig gut gehen wird! Smiley

Für mich bleibt zur Zeit trotzdem die Enttäuschung und ich muss mir vor Augen führen, warum es in Zukunft besser für die Katzen sein wird und dass ihr Wohl im Vordergrund steht.

Habt ihr für eure Haustiere auch schon mal eine schwere Entscheidung treffen müssen?

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