Mach deinen Alltag bedeutsam! 5 Tipps {Zurück im Alltag}

Seit dem Sommer hat mich v.a. eine Frage sehr beschäftigt: Wie kann ich meinen Alltag so gestalten, dass er für mich bedeutsam ist? Wie kann ich es schaffen, auch im alltäglichen Leben mit Arbeit, Terminen, Erledigungen, Freizeit am Ende des Tages mit einem guten und zufriedenen Gefühl schlafen zu gehen? Das wäre doch eine wunderbare Vorstellung, oder? Und doch hatte ich lange immer diese Stimme in mir, die mir sagte, dass das doch nur ein Wunschtraum sei, dass es gar nicht möglich sei, sich jeden Tag so zufrieden zu fühlen, speziell wenn ein Tag z.B. mit nervigen Erledigungen vollgestopft ist. Da ist natürlich was Wahres dran: Ich werde nicht jeden Abend mit einem zufriedenen Lächeln ins Bett gehen. Aber ich kann etwas tun, damit ich an mehr Tagen das Gefühl habe, dass ich sie bewusst gestaltet und gelebt habe. Und du kannst das auch!

BedeutsamerAlltag
Ursprüngliche Bildquelle: M. Gapfel  / pixelio.de

Heute möchte ich dir fünf Tipps zeigen, die mir dabei geholfen haben, meinen Alltag bedeutsamer zu gestalten.

1. Bestandsaufnahme: Wie sieht dein Alltag aktuell aus?

Das ist der Punkt, an dem niemand vorbeikommt, der etwas in seinem Leben ändern will: Die Bestandsaufnahme. Und glaub mir, ich will diesen Punkt am liebsten immer überspringen und sofort mit der Veränderung anfangen! Warum? Es ist die Angst vor dem, was ich dann wirklich vorfinde und welche Veränderungen dann auch wirklich notwendig sind. Das erscheint mir dann recht unkontrollierbar, ist aber natürlich totale Selbstsabotage. Wenn du nicht auf den Grund der Dinge schaut, dann bleiben Veränderungen oft oberflächlich und sind nicht von Dauer.
Bevor ich also ins Neuplanen und Gestalten eingestiegen bin, habe ich mir dieses Mal Zeit genommen, um mir meinen dato aktuellen Alltag (das ist ja schon einige Wochen her) anzuschauen:

  • Womit verbringe ich meine Zeit?
  • Was sind die festen zeitlichen Eckpunkte und wo habe ich Raum für Flexibilität?
  • Warum mache ich das, was ich mache? Nur aus Gewohnheit, weil es mir Spaß macht, weil es sonst niemand anderes macht, weil mir das Ergebnis wichtig ist?
  • Welche Dinge sind mir wichtig?
  • Was sind Zeitfresser und Ablenkungsmanöver?
  • usw.

Keine Sorge: Dafür musst du dir nicht zwei Monate Zeit nehmen und du musst auch nicht alles irgendwo dokumentieren. Für mich war die Bereitschaft, bewusster durch meinen Alltag zu gehen, entscheidend. Nach 1-2 Wochen hatte ich daher schon ein viel besseres Gefühl für meinen Alltag und v.a. auch noch mehr Lust, die Veränderungen, die ich daraus für mich erkannt hatte, anzugehen.
Dieser Schritt ist natürlich niemals abgeschlossen, sondern läuft parallel stetig weiter. Auch das konnte ich früher nicht so gut zulassen. Wenn ich mich dann doch mal zum genaueren Hinschauen überwinden konnten, dann war ich froh, wenn das “fertig” war. Aber genau das ist der “Denkfehler”: Da das Leben ja nie fertig ist, solange man lebt, und die Gestaltung des Lebens ein immer andauernder Prozess ist, kommt man gar nicht drum rum, immer mal wieder genauer drauf zu schauen. Mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger.

2. Gestalte deinen Alltag mit einem Wochen- und Tagesplan

Ich war und bin ein Planer-Typ! Doch ist es mir in den letzten 2 Jahren wirklich schwer gefallen, wieder zu den alten ToDo-Listen zurückzukehren. ToDo-Listen waren in der Phase, in der meine Depression ihren Höhepunkt erreicht hatte, scheinbar das einzige, mit dem ich noch “funktionieren” konnte. Gleichzeitig waren diese Listen aber auch der Beweis meiner total Überforderung und meines Versagens. Meine Listen waren so übervoll gepackt, da ich überhaupt nicht priorisieren konnte. Alles schien wichtig zu sein und ich hatte mir keine Luft zum Atmen gelassen. So habe ich ToDo-Listen lange gescheut und war erstaunt zu lernen, dass ich auch ohne ganz gut durchs Leben komme. Ich will aber nicht nur “ganz gut” durchs Leben kommen und manches erledigt sich einfach besser, wenn man es aufschreibt.
Ich habe dann angefangen, mir am Ende einer Woche den Kalender der nächsten Woche mit allem, was bereits an Terminen vorgesehen war, auszudrucken. Termine, Arbeitsschichten, Treffen etc. pflege ich in Google Calendar, sodass ich am Ende einer Woche schon recht sicher weiß, was die kommende so mit sich bringt. Wenn ich die Woche ausgedruckt vor mir habe und Farbe auf Weiß sehe, was ansteht, wo ich schon verplant bin und wo ich noch Freiräume habe, gibt mir das einfach ein gutes Gefühl, wie ich die Woche gestalten möchte.

  • Worum möchte ich mich zusätzlich zu den bereits bestehenden Terminen/Verpflichtungen kümmern?
  • Wie sieht’s in Sachen (Lauf-)Training/Sport aus?
  • Möchte ich noch (weitere) Treffen mit Freunden und Familie ausmachen?
  • Was steht in Sachen Haushalt bzw. häuslichen Pflichten (z.B. mal wieder bei der Telekom oder bei einem Handwerker anrufen) an?
  • An welchen Tagen finde ich für diese Dinge Zeit?
  • usw.

Ich verteile diese Punkte dann in meinem ausgedruckten Plan über die Woche. Manchmal auch erst bis Donnerstag, wenn ich das Gefühl habe, dass ich die Woche irgendwie schwer überblicken kann. Doch so läuft alles in einem Plan zusammen – Arbeit, Freizeit, Haushalt etc. Und natürlich wird da auch mal einiges hin- und hergeschoben, weil ich mir an manchen Tagen zu viel vorgenommen habe oder weil ich Aufgaben getauscht (aka Aufgaben vor mir hergeschoben) habe.
Dieser Wochenplan war auch lange mein Tagesplan. Doch habe ich vor kurzem noch damit angefangen, mir an einigen Tagen konkretere Tagespläne zu gestalten. Dabei geht es jetzt weniger um eine Zeitplanung, sondern um eine Aufgabenpriorisierung. Allein schon die Frage zu beantworten, welches die Aufgabe ist, nach deren Erledigung ich mit dem Tag zufrieden wäre, hilft mir unheimlich bei der Priorisierung! Und die Antwort kann jeden Tag unterschiedliche ausfallen und hat auch nicht immer mit “Leistung” oder “Arbeit” zu tun. 😉

Wer Sorge hat, dass das alles viel zu viel Zeit braucht, den kann ich beruhigen! Ich bin da in den letzten Wochen nach und nach hineingewachsen und sowohl Wochen- als auch Tagesplanung brauchen nur ein paar Minuten. 🙂

3. Halte kurz inne für bewusste Aufgabenwechsel

Kennst du das auch: Du gehst – oder besser gesagt hetzt – von Aufgabe zu Aufgabe, von Termin zu Termin und hast irgendwann das Gefühl, dass du mit dem Geschehen gar nicht mehr mitkommst? Für mich fühlt sich das dann so an, als ob mein Inneres, meine Seelenleben und meine Emotionen nicht mehr synchron sind mit meinem äußeren Handeln und Tun. Die habe ich irgendwo auf dem Weg vergessen, was ein furchtbarer Energieräuber ist. Herzlich willkommen im Hamsterrad!
Daher versuche ich jetzt, bei einem Aufgabenwechsel kurz innezuhalten – und wenn es nur für ein paar Sekunden ist! –, um mir dem Wechsel bewusst zu werden: “Ok, jetzt geht was zu ende und es beginnt was neues.” Ich kann mich ganz leicht im äußeren Tun verlieren, mich leicht beschäftigen bzw. beschäftig halten, ohne dass ich eine wirkliche emotionale Bindung zu dem habe, was da gerade passiert. Das kurze Innehalten holt mich da wieder etwas zurück.

4. Lass dir Freiraum für Flexibilität

Die größte Angst beim Beginn mit Wochen- und Tagesplanung war, dass ich mich wieder total “zumülle”, mich wieder einenge und überfordere. Daher versuche ich, mir Freiraum für Flexibilität zu lassen, indem ich bestimmte Freiräume, speziell zum Ende der Woche hin, bewusst nicht verplane. Ich packe mir nach wie vor meist zu viele Aufgaben in die Tage, kann aber mittlerweile besser akzeptieren, wenn ich manches einfach nicht schaffe. Früher habe ich mich gezwungen, immer alles zu erledigen. Wann hätte ich es denn sonst machen sollen? Ich hatte an den anderen Tagen ja auch keine Zeit und null Freiräume!
Mir fällt es nach wie vor schwer, wenn ich sehe, dass ich so viele Sachen nicht schaffe, die ich gerne machen würde, weil mir die Zeit nicht reicht. Wenn aber wieder Gedanken wie “Warum hat mein Tag nicht 48 Stunden?” im Kopf rumschwirren, gehen jetzt die Alarmglocken an. Wenn ich denke, ich habe zu wenig Zeit zum Machen, Machen, Machen, dann nehme ich mir Zeit fürs Innehalten und das “äußere” Nichtstun (im Inneren passiert dann natürlich richtig viel).

5. Such dir für dich passende Werkzeuge/Helferlein

Es gibt so viele Möglichkeiten, die dir dabei helfen können, den Alltag bedeutsamer zu gestalten! Kalender in digitaler und Papierform, Apps für Notizen und Listen, Zeitmanagement- und Produktivitätsmethoden, aber natürlich auch Rituale, Meditation, Achtsamkeits- und Entspannungstechniken etc.
Ich kann mich stundenlang damit aufhalten, die für mich scheinbar perfekte Methode zu finden, bevor ich mit irgendwas anfange, anstatt einfach mit dem, was mir als erstes in den Sinn kommt, zu starten und “meine eigene Methode” nach und nach zu entwickeln und zu verfeinern. Egal ob das jetzt laut “Expertenmeinung” effektiv zu sein scheint oder nicht. Daher verwende ich aktuell auch unterschiedliche Medien. Manches halte ich elektronisch fest, anderes mache ich in Papierform. Manche Aufgabe erledige ich mit dem Pomodoro-Timer, andere nicht. Ich versuche einfach, mich nicht zu sehr selbst einzuengen (womit wir wieder bei Tipp Nr. 4 wären) und offen für neues zu bleiben.

Ich hoffe sehr, dass bei diesen Tipps auch etwas für dich dabei ist, denn es gibt wirklich nichts schöneres, als seinen Alltag und damit auch sein Leben bedeutsam zu gestalten! Und dafür musst du nicht mal zwingend schon den großen Masterplan für dich kennen. Das ist natürlich auch ein ganz, ganz wichtiger Aspekt! Doch ich habe mich selbst viel zu lange an dieser unbeantworteten Frage festgebissen und dabei übersehen, dass mir ein bewusst erlebter Alltag bei der Beantwortung dieser Frage helfen kann.

Und jetzt möchte ich von dir wissen, wie du deinen Alltag bedeutsam gestaltest! Was sind deine Tipps? Oder hast du aktuell noch Stolpersteine?

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