Sich in Verzicht üben

Heute beginnt die christliche Fastenzeit. Und obwohl ich nicht streng gläubig bin, so möchte ich dieses Jahr diese Zeit nutzen, um mich in Verzicht zu üben. Natürlich hätte ich mir auch einen anderen beliebigen Zeitraum raussuchen können, aber 1) hat mich die bevorstehende Fastenzeit erst auf die Idee gebracht und 2) ist es doch schön, wenn das ganze mit einem Familienfest endet Smiley

Es gibt die unterschiedlichsten Dinge, auf die man während des Fastens verzichten kann. Häufig fasten Menschen in Bezug auf ihre Ernährung – das Heilfasten ist hier wohl der bekannteste Vertreter. Aber auch andere, vermeintlich schlechte Gewohnheiten müssen herhalten, wie z.B. Rauchen.
Da ich nicht rauche und ich mich auch nicht ungesund ernähre, habe ich mir mal näher Gedanken gemacht, was für mich einen wirklichen Verzicht darstellen könnte – der mir auch bis zu einem Gewissen grad schwer fallen würde. Folgende Fastenexperimente habe ich bereits in der Vergangenheit probiert:

  • Verzicht auf Alkohol:
    Das war einfach. Ich trinke so schon sehr selten Alkohol, daher war das kein wirklicher Verzicht und keine wirkliche Herausforderung.
  • Verzicht auf Schokolade:
    Und damit meine ich nicht nur Schokolade in Tafeln. Ich habe auf alles Schokoladige verzichtet: Kekse mit Schokoglassur, Muffins mit Schokochips, etc. Keine Ahnung was mich geritten hatte, als ich mich dazu entschieden habe. Ja, es viel mir richtig schwer, aber es hat mich nicht wirklich weitergebracht (und man will ja nach dem Fasten schon ein positives Gefühl haben). Warum? Ganz einfach: Anstatt Schokolade in Maßen zu essen, wie ich das sonst tue, habe ich mich an Gummibärchen & Co. vergangen und davon teilweise mehr gegessen, als ich das normaler Weise machen würde. Da ich eh jemand bin, bei dem das Motto “Alles erlaubt, aber in Maßen” ganz gut funktioniert und ich mich daher nicht an irgendetwas “überfresse”, hat dieses Fastenexperiment eher ein negatives Ergebnis gehabt. Und außerdem: Warum sollte  man auf Schokolade verzichten?????

Auf was möchte ich also dieses Jahr verzichten? Fasten und Verzicht sollen für mich eine reinigende Wirkung haben – so wie ein Frühjahrsputz (praktisch, dass die Fastenzeit immer am Ende des Winters liegt). Es geht dabei auch ums Aufräumen, Ausmisten, Abwerfen von unnötigem Ballast. In den letzten Wochen habe ich damit bereits in meinem Zuhause begonnen und z.B. Kleidung und Schuhe aussortiert, das Bad von abgelaufenen Sonnencremes befreit und meinen Schreibtisch neu organisiert. Alles vor dem Hintergrund, da ich das Gefühl hatte, es muss auch einfacher, mit weniger gehen.

Eine Sache, über die ich mir schon seit längerem Gedanken mache, ist, dass ich schon echt viel Zeuge habe und mir auch viel kaufe. Nicht, dass ich an Kaufsucht leide und mich in den finanziellen Ruin treibe oder so, aber trotzdem kaufe ich mir häufig Dinge, die ich einfach nicht brauche, sie aber trotzdem haben will, teilweise auch nur aus einer spontanen Lust heraus. Es geht dabei auch um kleine, völlig harmlose Sachen. Ich meine, brauch ich wirklich die fünfte Bodylotion, nur weil sie so gut riecht, obwohl ich noch vier Flaschen zuhause haben, die ich vielleicht erst mal aufbrauchen sollte? Am Ende muss ich wahrscheinlich min. zwei davon wegschmeißen, da sie mittlerweile ranzig riechen. Ich habe mich auch schon bei der Ausrede ertapp: “Wenn ich das Geld schon habe, dann kann ich es auch ausgeben – dafür arbeite ich ja schließlich. Solange ich nicht mehr ausgebe, als ich zur Verfügung habe, ist das doch ok.” Ähm, geht’s noch? Man muss sich ja manchmal schon über sich selber wundern… Ja, ich arbeite viel, verdiene gut und spare auch einiges. Aber das sollte ja keine Ausrede sein, mehr oder weniger sinnlos Geld auszugeben.

Ich werde dieses Jahr also Konsumfasten, mir also nichts kaufen, außer ich brauche es wirklich. Folgende Regeln habe ich mir überlegt:

  1. Das Kaufverbot gilt für alle Lebensbereiche und bezieht daher im Prinzip auch Lebensmittel mit ein.
  2. Ich kaufe nur das, was ich wirklich brauche. Das werden dann meistens natürlich Lebensmittel sein. Für sie gilt trotzdem das generelle Kaufverbot, da ich auch dort dazu neige, Dinge aus einer spontanen Lust heraus zu kaufen (i.d.R. weil es etwas ist, das neu für mich ist und ich es ausprobieren möchte), obwohl ich noch genügend andere Lebensmittel zuhause habe,  die ich verwenden könnte (z.B. die Sachen, die ich zum ausprobieren gekauft habe, aber nie dazu kam sie auszuprobieren). Und sollten Duschgel und Deo ausgehen, so kaufe ich auch diese nach Zwinkerndes Smiley
  3. Ich mache eine Ausnahme: Ich brauche für die Arbeit noch einen dunkelblauen Hosenanzug und eine rosa Bluse. Sollte ich während der Fastenzeit ein gutes Angebot sehen, weil es z.B. eine Rabattaktion gibt, dann würde ich das in Anspruch nehmen. Wäre ja blöd, ich würde das nicht machen, und würde dann nach der Fastenzeit mehr Geld dafür ausgeben müssen. Das heißt aber auch: keine Angebot = kein Kaufen.
  4. Folgende Dinge sind auch nicht vom Fasten betroffen: Kino, Weggehen, Essengehen etc. Also die Dinge, bei denen ich nach Kauf keinen materiellen Gegenstand in der Hand halte, den ich mit nach Hause nehme (man könnte auch einfach sagen, dass die Inanspruchnahme von Dienstleistungen nicht betroffen ist).

Ich habe vor, euch hier auf dem Laufenden zu halten und zu berichten, wie ich mit dem Konsumfasten zurecht komme.

Auf Los geht’s los!

Was haltet ihr von Fasten? Fastet ihr dieses Jahr auch?

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