Warum Stress dick macht

Hallo ihr Lieben!
Na, wie verbringt ihr euren Sonntag? Meiner ist bislang eher untypisch verlaufen – aber im positiven Sinn. Ich war heut schon relativ früh auf und habe eine super Sporteinheit absolviert. Das ist für mich deshalb untypisch, als dass ich erstens, es am Wochenende morgens lieber langsam angehen lasse, und ich zweitens, nicht so verrückt nach Frühsport bin (bin nicht der Frühsport-Typ, mache lieber nachmittags/abends Sport). Der Grund, dass ich heute schon so früh fleißig war, ist mein Schatz. Er hatte sich um 10 Uhr mit Freunden zum Fußballspielen in einer Fußballhalle verabredet. Nachdem ich ihn zunächst für verrückt erklärt hatte, habe ich gedacht, dass ich die Zeit ja auch zum Sport machen nutzen könnte, da ich heute eh was machen wollte. Nach einem kurzen Blick auf den Kursplan vom Fitnessstudio war die Entscheidung dann gefallen: Um 10:15 bin ich zu einem 75-minütigen Spinning-Kurs (das ist die lange Kursvariante).
Danach habe ich noch eine HIIT-Einheit gemacht (HIIT = High Intensity Interval Training), um noch etwas für den Oberkörper zu tun. Die heutige HIIT-Einheit habe ich auf Zeit gemacht, d.h. die Anzahl der Wiederholungen war vorgegeben und ich musste die Einheit so schnell wie möglich (bei korrekter Technik) ausführen. Die Einheit habe ich mir selbst zusammengestellt und sie sah folgendermaßen aus:

10 Runden mit folgenden Übungen

  • 10 Liegestütze, davon die ersten 5 Runden normale Liegestütze auf den Zehen, die zweiten 5 Runden Trizeps-Liegestütze auf den Knien
  • 10 gerade Crunches
  • Seitlicher Ellbogenstütz und 10 Mal den oberen Arm unten “durchfädeln”, links und rechts im Wechsel, also 5 Runden links und 5 Runden rechts
  • 10 Bicycle-Crunches

Ich habe zwischen den Runden kurz 2 Atemzüge in der Kindspose verweilt. Gebraucht habe ich 15:47 Minuten. Danach war ich dann völlig im Eimer (und bin es jetzt immer noch). Zwinkerndes Smiley Aber, es war auch ein super Training.

Ward ihr heute auch schon fleißig oder nutzt ihr den Sonntag zur Erholung?

So, nun komme ich zum eigentlichen Thema dieses Posts.
Dass Stress dick macht, ist glaube ich kein Geheimnis. Aber ich habe mich immer gefragt, warum das eigentlich so ist, und hatte bislang noch keine so richtig einleuchtende Erklärung gefunden. Mich hat dabei unter anderem immer gewundert, dass Menschen, die so wie ich zwar wenig Bewegung im Arbeitsalltag haben, aber viel Kopfarbeiten leisten, eher mit Übergewicht zu kämpfen haben, wo doch die Kopfarbeit scheinbar so viele Kalorien verbraucht.

Vor 2 Wochen kam in der Welt am Sonntag (Ausgabe Nr. 2, 8. Januar 2012) ein sehr interessanter Artikel zum Thema “Diät fängt im Kopf an”. Den Artikel findet ihr in (ich glaube) voller länge hier.
In diesem Artikel wird unter anderem die relativ neue Erklärung für Übergewicht des Adipositasforschers Joachim Peters behandelt. Er hat herausgefunden, dass sich das Gehirn bei der Regelung der Energieversorgung des Körpers sehr selbstsüchtig verhält und vorrangig den eigenen Bedarf deckt. Dieser Bedarf ist im Vergleich zu anderen Organen sehr hoch, sodass diese Opfer bringen müssen, damit das Gehirn als wichtigste Schaltzentrale ausreichend versorgt wird.
Wenn wir Stress haben, so wird das Gehirn stark belastet und der Energieverbrauch steigt rasant an. Nur unter größter Anstrengung ist es dem Gehirn in Stresssituationen und einhergehender Energienot möglich, dem Körper genügend Glukose zu entziehen. Dafür muss das Stresssystem mobilisiert werden, was dazu führt, dass sich die Stimmung verschlechtert. Dieses Phänomen kennt doch bestimmt jeder von uns, oder? Stress führt zu schlechter Laune. Das schnellste Gegenmittel ist der “Kalorien-Quickie” (super Begriff) in Form von viel Zucker und Fett (hallo Schokoriegel!). In Ausnahmesituationen ist es im Prinzip auch der richtige Weg, auf den Kalorien-Quickie zurückzugreifen, damit das Hirn weiterhin einwandfrei funktionieren kann. Aber, was ist, wenn die Ausnahmesituation zur Regel wird? Das Stresssystem, das ansonsten den Körper schützen soll, ist heutzutage oft überlastet und forciert dadurch die Anlage von Fettreserven im Körper. Dummer Weise haben wir in unserer Gesellschaft den Luxus, dass der Kalorien-Quickie immer zum Greifen nahe ist, da Essen immer und überall verfügbar ist. Der Körper lernt, dass diese Problemlösungsstrategie funktioniert und einfach ist. Die Gefahr besteht, dass sie bei jeder noch so kleinen problematischen Situation angewandt wird, sei es ein unangenehmes Gespräch oder ein nahender Abgabetermin. Für manche Menschen ist das Essen dann das primäre Gegenmittel, da es kurzfristig Linderung verschafft, aber gar nicht bewusst wahrgenommen wird. Daher spricht man in diesem Zusammenhang auch vom Emotionalen Essen oder von Emotionalen Essern.
Als ich das gelesen hatte, dachte ich mir nur: Wow, das ist total einleuchtend! Aber es blieb in dem Artikel nicht nur bei dieser Theorie, sondern es wurde auch beschrieben, wie man dem ganzen Schlamassel begegnen kann. Als “Gegenmaßnahme” werden achtsamkeitsbasierte Übungen genannt. Unter Achtsamkeit versteht man “Wertfreies Beobachten”: Man beobachtet einen Situation und versucht distanziert, ein Bewusstsein darüber zu erlangen, wo man ist und was in einem vorgeht. Das hilft z.B. dabei, Stressoren ausfindig zu machen. Außerdem ist es wichtig zu verstehen, dass es ganz normal ist, dass man in Stresssituation und auch sonst im Alltag Gelüste hat. Aber noch viel wichtiger ist, dass diese Gelüste auch wieder vergehen und wir diesen nicht hilflos ausgeliefert sind! Es geht also darum, den kurzen Augenblick des Verlangens zu überstehen, damit man nicht unbewusst etwas in sich reinschiebt. Es ist wichtig, dass man Essen nicht nur mit diesen negativen Situationen verbindet, sondern auch die positiven Gefühl, die das Essen mit sich bringt (z.B. Sättigung und Genuss), bewusst genießen kann.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, warum ich euch mit einem solchen Thema behellige. Das hat einen ganz einfachen Grund: Mir hilft es, solche Dinge zu verstehen, damit ich bewusst und angemessen darauf reagieren kann. Wenn ich mir z.B. bewusst mache, dass auch der menschliche Körper auf die Jahreszeitenwechsel reagiert und im Winter nicht so leistungsfähig ist, dann nehme ich das nicht als Ausrede, um im Winter faul auf dem Sofa zu hocken, sondern ich passe mein Training und meine Erwartungshaltung entsprechend an. Ich greife aber auch gern auf den Steinzeitmenschen als Erklärungshilfe zurück, da sich daran relativ einfach nachvollziehen lässt, warum wir z.B. süßes und salziges Essen bevorzugen (weil diese Geschmacksrichtungen auf eine hohe Kaloriendichte schließen lassen), warum das damals überlebensnotwendig war und warum das heute für uns eher ein Problem darstellt. Das alles hilft mir dabei, bewusste und gesündere Entscheidungen in Sachen Ernährung zu treffen. Genauso werden mir die hier vorgestellten Ansätze dabei helfen, mich in Stresssituation nicht gleich dem Schokoriegel hinzugeben – zumindest hoffe ich das.

Was sagt ihr zu diesen Erkenntnissen? Helfen euch solche Erklärungsansätze auch dabei, gesündere Entscheidungen zu treffen?

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5 Comments

  • Habe mir gerade den Artikel durchgelesen und es stimmt. Ich hatte den ganzen Juli frei in 2011. Und habe Sightseeing gemacht, etc. 5Kilo weg ohne was dafür extra getan zu haben. Dann im neuen Job, Arbeitsstunden zwischen 60 -80 per Woche. Seit August 9 Kilo zugenommen durch Frustfressen per excellence.
    Bin jetzt dabei schlussendlich den richtigen Weg zu finden, um das Fett loszuwerden.
    Finde im allgemeinen Deinen Blog sehr interessant, geistreich und wirklich klasse mit den ganzen alltagstauglichen Tipps!
    C.

  • Hallo Carmen,
    vielen Dank für deinen Kommentar.

    Bevor ich die Erklärung aus dem oben genannten Artikel hatte, habe ich mich dem Stress-/Frustfressen auch relativ hilflos ausgesetzt gefühlt – auch wenn ich immer versucht habe, das nicht ausarten zu lassen.
    Ich hoffe, dass ich mit dem neuen Wissen um die Zusammenhänge in Zukunft auch damit besser zurecht kommen werde und das auch anderen hilft!

    Liebe Grüße
    Julia

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