Mach es einfach.

Ich bin seit ein paar Wochen wieder an so einem Punkt, wo ich mich in einigen Bereichen meines Lebens ein bisschen festgefahren fühle. Ich bin wieder in alte Muster verfallen und tue mich gerade unheimlich schwer, meinen Gestaltungsraum auszuschöpfen. Kein Wunder also, dass es für dieses Jahr immer noch keine Jahreslandkarte gibt. Ich schrecke gerade davor zurück, mir wieder grundlegende Fragen zustellen. Obwohl – das ist nicht ganz richtig: Die Fragen sind schon da, aber ich will nicht hinschauen. Wer weiß, was dabei rauskommt?

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Das ist sie wieder – die Angst vor dem Unvorhersehbaren, dem scheinbar Unplanbaren und nicht Abschätzbaren. Anstatt einfach wieder einen Schritt ins Ungewisse zu gehen, bleib ich lieber in meiner Komfortzone. Das kommt mir ziemlich bekannt vor. Dabei sind die Fragen, die sich mir stellen, eigentlich total spannend: Wie möchte ich mich beruflich weiterentwickeln? Möchten mein Mann und ich bald Kinder? Welche Abenteuer möchte ich erleben? Wie kann ich die Beziehungen in meinem Leben ausfüllender gestalten? Aber irgendwie schwirren diese ganzen Themen sehr unkonkret wie dicke Nebelschwaden in meinem Kopf herum.

Und genau da liegt das Problem: Ich lasse sie in meinem Kopf. Und meistens auch nur dort.
Es fällt mir schwer, einfach intuitiv spontanen Gefühlen, Ideen, Stimmungen, Gedanken etc. auf einer emotionalen Ebene nachzugehen und sie auszusprechen, ohne zu sehr darüber nachzugrübeln oder sie aufzuschieben. Ich bin echt ein total “verkopfter” Mensch. Das gilt nicht nur für die “großen” Themen wie Familienplanung und Beruf, sondern beginnt natürlich schon bei den kleinen Dingen im Alltag: Einfach mal eine Freundin anrufen und fragen, ob sie einen Kaffee trinken gehen möchte, oder meinem Schatz von einer für uns vielleicht eher ungewöhnlichen Idee in Sachen Wohnungseinrichtung erzählen – sollte doch eigentlich ganz einfach sein, oder? Aber in meinem Kopf spule ich oft die gleiche “Ablehnungsleier” ab: Ach, die Freundin wird doch eh keine Zeit haben; mein Schatz findet die Idee bestimmt ganz blöd; etc. Kennt ihr das auch? Bevor es in den eigentlichen Dialog geht, nehme ich die Ablehnung, die ich vielleicht durch meine Mitmenschen erfahren könnte, einfach vorweg. Und warum? Aus Angst vor Ablehnung! Ist das nicht total konfus? Diese Erkenntnis hat mich ziemlich vor den Kopf gestoßen und mir gezeigt, wie sehr ich mir selbst im Weg stehe.

Dabei sind es meist die kleinen, spontanen Gedankenblitze, die zu großen Veränderungen führen, welche sich dann auch richtig gut anfühlen. Ich denke da z.B. an meine für mich recht spontane Entscheidung, die Fitnesstrainer-B-Lizenz zu machen. Ich hatte damit zwar in einer Zeit des Umbruchs begonnen, in der ich wusste, dass ich irgendwie in der Fitness-/Gesundheitsbranche Fuß fassen möchte. Aber zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir nicht vorstellen können, dass mein beruflicher Wiedereinstieg als Fitnesstrainer erfolgen würde. Ich konnte mir damals überhaupt nicht vorstellen, wie mir Arbeit überhaupt wieder Spaß machen könnte. Das hat sich im Lauf der Zeit entwickelt und jetzt bin ich so froh, dass ich es gewagt habe! Wichtig war damals jedoch eins: Ich konnte mich in dieser Zeit einfach darauf einlassen, dass ich nur diesen nächsten Schritt kenne, ihn gehen muss und noch nicht weiß, wo er mich genau hinführt. Irgendwann hat man einfach genug nachgedacht, muss raus aus dem Kopf und darauf vertrauen, dass das Herz einem den richtigen Weg zeigen wird.
An Vertrauen – in mich und in meine Mitmenschen – mangelt es mir aber leider mehr als mir lieb ist. Als ich mir das eingestehen konnte, ohne mich dafür zu verurteilen, hat sich mir der Blick geöffnet für die vielen wunderbaren Gelegenheiten, wo ich Vertrauen durch andere Menschen und durch mich selbst erfahren konnte. Und dann viel mir auf, dass dieses Misstrauen, diese Angst vor Ablehnung mittlerweile nicht mehr auf den Erfahrungen basieren kann, die ich in meinem Leben mache, sondern meistens eine “schlechte Angewohnheit” ist, ein Verhaltensmuster, das jetzt keinen Platz mehr hat, mich aber vielleicht noch eine Weile begleiten wird. Alte Gewohnheiten lassen sich ja nicht immer so leicht abschütteln.

“Mach es einfach.” ist kein blinder Aktionismus. Für mich heißt es, mit mehr Herz durchs Leben zu gehen, mehr auf andere Menschen zuzugehen und mit ihnen über die kleinen und großen Dinge des Lebens zu reden. Was kann dabei schon passieren? Vielleicht, dass aus unterschiedlichen Ideen etwas ganz neues entsteht? Das wäre doch ganz schön spannend!

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2 Comments

  • Jaaa… das kenne ich so gut. Ich neige ja sowieso dazu alles komplett durch zu analysieren. Und dann mach ich was doch nicht…
    Nur als aktuelles Beispiel meine neue Liebe zum Wandern. Was man sich da an Gedanken machen kann… Ist das denn sicher so alleine? Schaff ich es überhaupt den Berg hoch? Und was sollen denn die Leute von mir denken?
    Dabei ist alles echt locker und spaßig, wenn man es einfach mal macht 🙂

  • Ich bewundere es immer wieder, wie ehrlich und wunderschön du deine Gedankenwelt und deine Gefühle beschreibst. Das ist für viele Menschen nicht selbstverständlich (für mich manchmal auch nicht) und mir zeigt es, wie wichtige Schritte du schon gegangen bist…
    Das Verkopfte, das du beschreibst, kenne ich auch gut. In dieser Hinsicht konnte ich schon einen guten Weg gehen, denn ich lerne immer mehr, dass wir nicht alles in unserem Leben steuern und planen können. Hierzu möchte ich dir ein wundervolles Buch empfehlen, das ich gerade lese: "Die Stimme deines Herzens". Ich habe das Gefühl, die Autorin bringt so viel auf den Punkt von den Dingen, die ich in den letzten 2 Jahren lernen durfte. Es tut einfach nur gut….vielleicht auch dir.

    Außerdem hat mich beruflich das Seminar "Die Kunst, dein Ding zu machen" so sehr weitergebracht. Ich brauchte damals diesen Anstoß und ich möchte ihn nicht mehr missen. Im September werde ich es noch einmal auffrischen.

    Liebe Grüße und ich melde mich noch mal privat bei dir wegen unseres möglichen Treffens!

    Deine Kristin

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