Training für den Geist

Wenn es darum geht, unseren Körper schön und fit zu bekommen, dann sind wir bereit, vieles auf uns zu nehmen und eine Menge Zeit zu investieren. Wir achten darauf, was wir essen, machen im Extremfall irgendwelche komischen Diäten, schleppen uns ins Fitnessstudio oder schnallen uns den Bauchweggürtel um.
Natürlich ist es wichtig, sich körperlich gesund zu halten – auch wenn man dadurch vielleicht nicht den gewünschten Luxusbody bekommt. Und wie ihr bislang auf meinem Blog lesen konntet, haben Ernährung und Sport in meinem Leben einen hohen Stellenwert. Und ich legen Wert darauf, dass es nicht vorrangig um das Erreichen oder die Einhaltung von gängigen Schönheitsidealen geht.

Was nützt einem der ganze Aufwand aber, wenn man dabei vergisst, auch etwas für seinen Geist zu tun?
Wenn man bei all dem Diät- und Fitnessstress, den man vielleicht eh nur als Zwang und lästige Bürde versteht, keine Zeit mehr hat, sich mental fit und gesund zu halten?
Ich meine damit weniger das Gehirnjogging im Sinne von Denksportaufgaben, sondern viel mehr das In-Sich-Hinein-Hören, die Erkundung des eigenen Geistes mit dem Ziel einer bewussteren Selbstwahrnehmung.

Seit mir vor ein paar Monaten bewusst geworden ist, dass ich in meinem Leben Veränderung brauche, habe ich auch erkannt, dass der erste Schritt auf dem Pfad der Veränderung es sein muss, dass ich mich selbst besser kennenlerne. Man könnte auch sagen, dass ich mir selbst bewusster werden möchte.
Ich möchte verstehen, warum mir bestimmte Dinge Unbehagen bereiten, warum ich z.B. Panikattacken bekomme, wenn ich der Meinung bin, dass ich es jemand anderem nicht recht mache, oder warum ab und zu meine Gedanken nicht zur Ruhe kommen, obwohl ich eigentlich todmüde bin. Ich möchte aber auch erfahren, welche Dinge in mir Zufriedenheit auslösen und warum mir manche Dinge wichtig sind, andere aber nicht. Denn nur, wenn ich Kopf und Herz in Einklang bringe, kann ich meinen Weg beschreiten, ohne ständig besorgt zu sein, ob ich jetzt die richtige Entscheidung gefällt, den richtigen Weg eingeschlagen habe.

Im Prinzip geht es darum, dass ich mit Hilfe der Selbstreflexion und den Erkenntnissen, die sich daraus für mich ergeben, eine selbstbestimmtere und aktivere Lebensführung erreichen kann.

Aber wie komme ich jetzt bitte zu dieser bewussteren Selbstwahrnehmung?
Ohne ein Experte auf diesem Gebiet zu sein, behaupte ich mal, dass es viele Möglichkeiten der Selbstreflexion gibt. Was sie aber alle gemein haben, ist, dass man sich die Zeit nehmen muss, den Lärm der Außenwelt abzuschalten und in sich zu gehen.
Und das muss nicht mal lange dauern! Es reicht schon, wenn man abends, z.B. bevor man schlafen geht, den Tag in 5 Minuten Revue passieren lässt. Dabei kann man sich z.B. folgende Fragen stellen:

  • Was ist heute für mich gut gelaufen? Was ist schlecht gelaufen?
    –> Warum?
  • Was hat mir Freude bereitet? Was hat mir Unbehagen bereitet?
    –> Warum?
  • Was hat mir am heutigen Tag gefallen? Was hat mir nicht gefallen?
    –> Warum?
  • Was hätte ich rückblickend anders gemacht?
  • Was hätte ich heute am liebsten gemacht, wenn es keine Einschränkungen (Geld, Beruf, Familie, Verpflichtungen etc.) geben würde?

Wichtig ist dabei, zumindest für mich, dass ich versuche, mich nicht niederzumachen oder mir Schuldgefühle einzureden, wenn etwas nicht so gut gelaufen ist bzw. ich der Meinung bin, ich hätte etwas besser machen können. Es geht vielmehr darum, das Geschehene zu verstehen, zu akzeptieren und eine Erkenntnis daraus zu ziehen.
Wenn man sich die Gedanken, die man sich bei der Selbstreflexion macht, niederschreibt, dann unterstützt man den Gedankenprozess sogar noch, da man sich dazu zwingt, seine Gedanken konkreter zu formulieren. Außerdem hat das den Vorteil, dass man sich seine Gedanken später noch einmal anschauen kann.

Wer es ganz kurz und knapp mag, der kann z.B. versuchen, den Tag in einem Satz zusammenzufassen. Das muss keine literarische Meisterleistung sein. Die letzten beiden Tage hatten bei mir z.B. die Einträge “Es ist viel zu heiß.” und “Es ist immer noch viel zu heiß.” Und gerade bei solchen “Der Tag in einem Satz”-Notizen ist es total lustig, wenn man zurückschauen kann, was man vor einem Jahr am selben Tag geschrieben hat.

Es muss wirklich nicht viel Aufwand betrieben werden, um seinen Geist zu trainieren.
Aber ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass es mir wirklich sehr dabei hilft, zu mir zu kommen und mehr in mir zu ruhen.

Habt ihr Erfahrung mit Selbstreflexion? Welches Vorgehen hilft euch dabei? Schreibt ihr z.B. auch eure Gedanken nieder?

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1 Comment

  • Eine schöne Vorgehensweise ist da das heutzutage, wie auch bei mir, aus der Mode gekommene "Tagebuch-Schreiben". Ich, zwar nicht täglich, lasse in jedem Fall nach wichtigen Vorkommnissen einen Tag abends Revue passieren. Ich denke aber auch, dass es zwingend notwendig ist, sich nicht in Selbstvorwürfen oder Schuldgefühlen zu ergehen, wenn das Tagesgeschehen nicht den gewünschten Erfolg brachte. Denn ich bin mir sicher, dass wir sonst einen großen Fehler begehen, indem wir uns einreden: "DAS WERDE ICH DAS NÄCHSTE MAL
    N I C H T MEHR SO MACHEN!!!", unwissend, dass unserem Unterbewusstsein das Wörtchen NICHT unbekannt ist und wir uns somit automatisch falsch programmieren.Deshalb ist es so wichtig, mit positivem Gefühl auf das Geschehene zu blicken, um sich auch gute Affirmationen zu setzen. Denn Misserfolge sind nur die Vorstufe des Erfolges.

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