Tägliche Momente der Ruhe

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Ursprüngliche Bildquelle: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Stille ist manchmal ganz schön schwer auszuhalten. Daher neigen wir oft dazu, diesen Zustand so gut es geht zu vermeiden. Ich bin da keine Ausnahme: Wenn ich nicht gerade meinen diversen Beschäftigungen nachgehe, also im Macher-Modus bin, dann läuft entweder Musik, ein Hörbuch, ein YouTube-Video oder eine Serie im Hintergrund – v.a. dann, wenn ich alleine zuhause bin. Stille gepaart mit Alleinsein kann ganz schön beängstigend sein: Man weiß nie, was während eines ruhigen Moments so alles zu Tage tritt, und niemand ist da, der einen im Bedarfsfall in den Arm nehmen kann.
Und doch sind sie so wichtig, diese täglichen Momente der Ruhe. Ich nenne sie ganz gerne Seelenhygiene. Nicht nur, weil es dabei darum geht, Ballast abzuwaschen, sondern auch, weil man sich danach so gut fühlt wie nach einer erfrischenden Dusche oder einem heißen Bad.


Obwohl ich weiß, wie wichtig Seelenhygiene ist, so fällt es mir doch immer wieder schwer, sie ganz bewusst und selbstverständlich in meinen Alltag einzubinden. Mich hat dabei bislang glaube ich zurückgehalten, dass ich der Meinung war, diese Momente der Ruhe müssten ein ganz bestimmtes “Aussehen” oder “Format” haben.  So nach dem Motto: Nur, wenn ich jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen 20 Minuten meditiere und dabei ein bestimmtes Mantra, eine Affirmation oder Intention habe, dann zählt es. Natürlich ist Meditation eine Möglichkeit, Zugang zur Stille zu bekommen. Doch kann sie ganz viele Gesichter haben. Wahrscheinlich ist Seelenhygiene einfach meine Bezeichnung für Meditation.

Wenn ich mich früher einer neuen Sache verschrieben habe, dann hatte ich dafür immer ein ganz bestimmtes Vorgehen: Ich musste es fest in meinen Alltag einplanen und habe es dann durchgezogen, egal ob ich Lust darauf hatte oder nicht. Man muss eine Sache ja schließlich solange durchziehen, bis daraus eine Gewohnheit geworden ist. Doch das klappt so für mich leider nicht mehr. Daher konnte ich auch das Meditieren nie weiter fortführen, obwohl ich schon zig Male an der 21-Day-Meditation-Challenge teilgenommen habe.
Meine neue Herangehensweise dagegen ist so simpel, dass es mir fast schon zu einfach vorkommt: Ich versuche, mir jeden Tag diese ruhigen Momente zu nehmen, ohne mir einen festen Plan dafür zu machen. Das eröffnet mir zum einen ganz neue Möglichkeiten, auch die vielen kleinen ruhigen Momente wahrzunehmen – auch wenn sie manchmal nur ein paar Sekunden dauern. Erstaunlicher Weise musste ich dabei feststellen, dass ich es wirklich jeden Tag schaffen, solche Momente zu haben. Zum anderen übe ich dabei auch wieder bewusst wahrzunehmen, wann ich die Stille wirklich brauche und wann ich mich darauf einlassen kann. Dann ist es egal, ob es morgens, mittags oder abends ist, ob es nur zwei Minuten oder eine halbe Stunde dauert, ob ich dabei im Lotussitz auf dem Boden, im Auto oder auf dem Balkon sitze, ob ich gerade einen Spaziergang oder Sport mache. Hauptsache ist, ich schaffe es innezuhalten.

Auch wenn es hier um Momente der Ruhe geht, so ist es nicht mein primäres Anliegen, an gar nichts mehr zu denken. Mir geht es nicht darum, dass ich es in dieser Zeit schaffe, auch in meinem Kopf für vollständige Stille zu sorgen. Für mich ist es vielmehr eine Entdeckungsreise, wenn ich mir die Zeit nehme, in mich selbst hineinzuhören. Was ist da gerade in mir los? Welche Gedanken beschäftigen mich und warum? Welche Gefühle sind damit verbunden? Ich höre mir einfach mal selber zu und bin immer wieder erstaunt, was ich dabei entdecke. Natürlich geht es oft mit den ganz offensichtlichen Dingen los: Was steht heute noch an, was muss ich noch erledigen, was kommt die nächsten Tage auf mich zu usw. Aber das verstummt erstaunlich schnell und ich bekomme einen Blick hinter meine eigenen Kulissen. Ich unterdrücke meine Gedanken also nicht. Im Gegenteil: Alles darf rauskommen! Und wenn ich mal an einem Gedanken zu sehr festhalte, dann versuche ich zu durchschauen, warum das so ist.
Die Stille und Ruhe kommt dann oft erst hinterher, wenn ich schon wieder dem alltäglichen Treiben nachgehe. Ich bin weniger hektisch, lasse mich nicht so sehr stressen, wenn’s nicht nach Plan läuft, bin einfach nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.

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