27,25 + x km – Human Error

Ich warne euch: Stellt euch auf eine Runde Jammern meinerseits ein. 😉

Es hat schon einen Grund, warum der Berichts zur letzten Trainingswoche so lange auf sich warten ließ: Ich würde am liebsten nicht weiter drüber nachdenken, denn es lief einfach nicht gut – in vielerlei Hinsicht.

Es nahm seinen Anfang ja schon direkt am Montag bei meinem langen Lauf und irgendwie wollte es nicht so richtig besser werden.

Beginnen wir mal am Ende. Vielleicht fragt ihr euch, was “27,25 + x km” bedeuten soll. Ist eigentlich ganz einfach: Laut Uhr bin ich 27,25 km gelaufen. Doch leider fehlen da ein paar Hundert Meter, da ich irgendwo bei Kilometer 24 meine Uhr an einer großen Kreuzung gestoppt (da ich wusste, dass es ein paar Minuten dauert, bis ich drüber bin) und danach vergessen hatte, sie wieder weiterlaufen zu lassen. Das fiel mir erst einige Minuten und ein paar Hundert Meter später auf.
Vielleicht fragt ihr euch dann, warum ich am Ende nicht einfach noch ein Stückchen weiter gelaufen bin, um die 28 km auf der Uhr voll zu machen. Was sind schon noch ein paar Hundert Meter mehr, wenn man schon über 27 km geschafft hat? Immerhin hatte ich in der Vorwoche einen ganzen Kilometer extra rangehängt! Und genau da kommen wir beim Knackpunkt der ganzen Geschichte an: Der Lauf war so furchtbar, dass ich einfach keinen Meter mehr als nötig mehr laufen konnte – körperlich und mental ging das einfach nicht mehr.

Dabei hatte es so schön angefangen: Das Wetter war traumhaft, ich hatte ein schönes Wochenende hinter mir und die erste Stunde lief es super. Doch ab da wurde es von Kilometer zu Kilometer schlimmer. Meine Beine haben angefangen zu brennen, ich hatte einen gefühlt unstillbaren Durst und die Energiegels haben mir auch keinen Extraschub gegeben. Das eigentlich tolle Wetter mit Sonne und Wärme habe ich mehrmals verflucht (ich mag es für die langen Läufe am liebsten bewölkt und kühl) und ich konnte mich irgendwie nie recht entscheiden, ob ich nun lieber im Wald oder über die Felder laufen will – es hat sich einfach alles falsch angefühlt.

Und nach der ersten Hälfte ging das Kopfkino los:

  • “Erst die Hälfte geschafft! Wie soll ich das nochmal 14 km durchstehen?”
  • “Warum tut mir nur alles so weh?”
  • “Oh mein Gott! Was ist, wenn es in Frankfurt auch so furchtbar wird?”
  • “Warum bin ich hier nur so in die Pampa gelaufen, wo die einzige Alternative für mich ist, weiterzulaufen, weil ich sonst nie zuhause ankomme?”
  • “Warum tue ich mir das eigentlich an? So macht das doch keinen Spaß!”
  • etc.

Ich hatte zwischenzeitlich Tränen in den Augen, weil ich mich so allein und hilflos gefühlt habe. Trotzdem bin ich weitergelaufen. Durch den Wald, über die Felder, in den nächsten Ort. Ich habe es bis zur Tankstelle geschafft, wo ich meinen Trinkrucksack auffüllen und eine kleine Pause machen konnte. Ich habe die letzten Kilometer bis nach Hause geschafft und haben mich auf schnellstem Weg in die Badewanne gelegt (erst kalt, dann warm).

Was sich aber leider nach diesen langen Läufen über zwei Stunden nicht so richtig einstellt, ist dieses tolle Erfolgsgefühl, das man doch nach so einer erbrachten Leistung haben sollte. Auch an den Tagen danach, wenn die körperlichen Schmerzen überwunden sind, ist eher der Gedanke vorherrschend, das die Quälerei noch kein Ende hat. Ich habe daher letzte Woche auch eine Trainingseinheit (den gesteigerten Dauerlauf) ausfallen lassen, weil ich einfach noch einen Tag mehr Pause (und auch mehr Zeit für andere Dinge) gebraucht habe. Das war wieder so eine Entscheidung, die mir total schwer gefallen ist, auch wenn ich wusste, dass am Ende besser ist.
Das Marathontraining bestimmt gerade einfach alles. Daher habe ich neben dem Arbeiten im Studio, den Kursen, Therapie und Training gar keinen Platz mehr für andere Dinge. Dabei geht es weniger um Zeitmangel. Zeit hätte ich schon, aber ich bin einfach so müde und brauche total viel Ruhe  – und das gefällt mir nicht.

Ich sehne den 26.10. so sehr herbei, weil ich endlich über diese Ziellinie laufen will! Daher gebe ich jetzt auch nicht auf, sondern ziehe das Training durch bis zum Schluss. Die Belohnung will ich mir auf jeden Fall abholen.
T –19 Tage.

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11 Comments

  • Hey Julia, halte durch! Ich verfolge schon seit einiger Zeit deine Trainingsberichte mit Interesse 🙂 Ich kenne die Quälerei nur zu gut! Mein Training für den ersten Marathon verlief so ähnlich. Was mi am meisten gefehlt hat: Eben das Erfolgsgefühl! Und auf die so häufig erwähnten Glücksgefühle warte ich praktisch bis heute 😉

    Aber irgendwie klappt das mit dem Durchhalten, ganz sicher. Alles Kopfsache.
    Fazit nach meinem ersten Marathon: Vielleicht war es für mich einfach ein wenig zu früh. Beim zweiten wird alles leichter 🙂 Ich drück die Daumen!

    Andrea

  • Oh du arme… Das klingt wirklich sehr anstrengend und mühsam!
    Ich hoffe, die nächsten Läufe werden wieder besser, sodass du mit einem guten Gefühl in den Marathon starten kannst 🙂

    Viele Grüße
    Linda

  • Ohje du Arme…aber sei dir sicher, bald ist es geschafft und ich bewundere dich für deine Disziplin und dein Durchhaltevermögen!! Keep going!!! Liebe Grüße Jenny

  • Hallo Andrea,

    vielen Dank für deine unterstützenden Worte! Es tut gut zu hören, dass es mir nicht alleine so geht. 😉
    Ob und wann es eine Wiederholung gibt, bleibt abzuwarten (aktuell würde ich das eher verneinen). Aber ich freue mich trotz allem auf diesen ersten Marathon!

    Alles Liebe
    Julia

  • Hallo Julia, Kopf hoch, Training ist nicht gleich Wettkampf, und das weißt du auch….(aber das hast du vielleicht zwischendurch verdrängt???). Die Wettkampfstimmung wird sehr viel mehr Energiereserven freisetzen, als du im Training jemals freisetzen kannst. Du bis gut im Plan, alles wird gut! VG Alex

  • Haha! Ich glaube, das habe ich echt verdrängt oder kann es mir gerade einfach nicht vorstellen, was bei einem Wettkampf über eine so lange Distanz an zusätzlicher Energie freigesetzt werden kann. Vielen Dank für die Erinnerung!

  • Hey meine Liebe!

    Ich bin mir ganz sicher, dass du das schaffen wirst! Selbst wenn du jetzt zwischendurch mal ein, zwei miese Läufe hast! Du hast dein Ziel vor Augen, du hörst auf deinen Körper, du hast einen guten Trainingsplan….mehr kannst du nicht machen! 🙂

    Und wie ich letztens beim Berlin Marathon gehört habe: Der Schmerz vergeht – der Stolz bleibt!

    Alles, alles Liebe für dich
    Kristin

  • Und die 42 km werden so flüssig von statten gehen, dass Du Dich beim Wettkampf lächelnd fragst, wie es beim Training möglich war, das Du jemals an Dir zweifeln konntest.
    Klingt unglaublich, ist aber so 🙂

    L.

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